Getrieben vom Wind

Jetzt haben wir also die Hälfte des langen Weges an den Atlantik hinter uns. Im Route Book ist die Angabe der noch zu fahrenden Kilometer ist nun weniger hoch als die der bereits absolvierten. Nik fühlt sich nach wie vor gut, der Ehrgeiz ist unvermindert gross. Der Stand der momentanen Rangliste interessiert ihn sehr – mindestens zwei Mal pro Tag möchte er wissen, wo er steht und wie weit die nächsten Fahrer vor und hinter ihm entfernt sind.

Bild: Christine Rentsch

Heute Morgen um 03.40 Uhr startet er zu einem weiteren langen Race-Tag. Die Strassen sind nach dem Durchzug der Kaltfront noch ein bisschen nass. Das stellt soweit kein Problem dar. Das Wetter wird gemäss Voraussage des nationalen Wetterdienstes trocken bleiben, die Gefahr von Wetterkapriolen wie Tornados ist minim und der Wind stimmt weiterhin.

Das Gelände wird mit der Einfahrt nach Missouri wieder coupierter. Viele flache und kurze Hügel – in den USA werden diese „Rollers“ genannt – folgen aufeinander. Auf der einen Seite gleitet man hinab und auf der anderen muss man dann die Höhe wieder mit Arbeit gutmachen, weil der Schwung nicht reicht. Solche „Roller“ sind im Durchschnitt um die 20 bis 30 Meter hoch. Muss man aber 200 solcher kleiner Anstiege bewältigen, ergibt sich eine imposante Höhendifferenz. Mit dem Rückenwind zusammen ist diese Herausforderung aber ohne Probleme zu bewältigen. Nach einem langen Tag mit fünf Etappen und 467.3 Kilometern entscheidet sich Nik für die Übernachtung in Jefferson City.

Nik ist einer der wenigen Athleten, die mit einem deutlich höheren Schlafpensum pro Tag unterwegs ist. Viele andere Rennfahrer schlafen pro Tag ungefähr anderthalb bis zwei Stunden. Nik ruht doppelt so viel – vier Stunden täglich. Dafür muss er die verlorenen Stunden mit einem höheren Tempo auf der Strasse kompensieren, was aber ohne Probleme klappt. Meist holt er noch einen Vorsprung heraus. Gegen Ende des Rennens lässt diese Strategie dann sogar taktische Spielereien zu.

Bild: Timo Schaub

Ausserdem bringt die Strategie mit mehr Ruhe auch Vorteile bezüglich der Sicherheit. Der Kopf ist deutlich ausgeruhter, der Athlet dadurch viel konzentrierter unterwegs. Das Risiko eines Sekundenschlafs – beim RAAM wegen der Übermüdung ab einem gewissen Zeitpunkt einer der grössten Risikofaktoren – wird so effektiv vermindert.

Timo Schaub ist einer der drei Filmstudenten, die das Race Across America von Nik mit bewegten Bildern festhalten. Er studiert zusammen mit Timon Rupp und Daniel Jeseneg an der Hochschule Luzern im Studiengang „Video“. Die Aufgaben teilen sich dir drei gleichmässig untereinander auf. Timo ist zuständig für die Kamera, den Ton sowie das Autofahren.


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3 Antworten zu Getrieben vom Wind

  1. Monika Seiler schreibt:

    Du bist wirklich unglaublich, jetzt hast du bereits 2/3 der Strecke hinter dir und bist so super ‚zwäg‘. Zudem machst du laufend Zeit gut. Mich dünkt du wirst immer schneller, ist ja wirklich phantastisch.
    Du lebst, verwirklichst deinen Traum!!!
    Ich wünsche dir für den letzten Drittel einen starken ‚Kopf‘, phantastische Eindrücke, ein Super-Team, dann kann nichts mehr schief gehen.

    Alles Gute
    Monika

  2. Barbara und Thomas Kestenholz schreibt:

    Hallo Nik, wir sind begeistert von deiner Leistung und bewundern deine Kraft und Ausdauer. Deine Taktik mit den längeren Ruhezeiten werden sich bestimmt bis am Schluss zu deinen Gunsten auszahlen. Wir wünschen dir weiterhin guten Rückenwind, klare Sicht und angenehme Temperaturen.
    Herzliche Grüsse besonders auch an Ursula
    Barbara und Thomas Kestenholz

  3. Bernhard Meili schreibt:

    Phantastisch wie du das RAAM bisher gemeistert hast, Nik. Habe mehr oder weniger täglich den Verlauf im Internet verfolgt und wünsche dir zum weiteren Verlauf viel Rückenwind, gutes Wetter und natürlich weiterhin viel Erfolg zum Gelingen dieses grossen Unternehmens.

    Beste Grüsse aus Bern von deinem zeitweiligen Trainingskollegen
    Bernhard

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