Zieleinfahrt in Annapolis

25. Juni 2011, 19.45 Uhr Ortszeit. The Docks, Annapolis, Maryland. Nik biegt ein auf die Zielgerade. Grosser Applaus brandet auf, Nik steigt vom Rad. 3000 harte Meilen liegen hinter ihm, der Atlantik vor ihm. Das Race ist geschafft. Das Ziel erreicht.

Dabei waren die 20 Stunden vor der Zieleinfahrt einer der härtesten Tage an diesem Race 2011 überhaupt. Nach einer sehr kurzen Schlafpause in Cumberland setzt sich Nik morgens bereits um halb zwei Uhr in den Sattel. Nur eine Stunde Schlaf konnte er geniessen. Mit dem gestrigen zermürbenden Tag ist der Wunsch, das Rennen endlich zu beenden, nur noch grösser geworden.

Die beiden ersten Etappen sind zwar distanzmässig nicht sehr lang, dafür führen sie über kurze und knackige Anstiege, denen alle Athleten am letzten Tag sehr respektvoll begegnen. Die nachfolgenden Abfahrten verlangen vollste Konzentration. So schnell ist man am Boden und die Hoffnung, das Race zu beenden, begraben. Zudem hat sich Nik die letzten zweihundert Meilen etwas einfacher vorgestellt und ist mental auf einen lockeren und flachen Tag eingestellt. Wirklich flach ist es aber nie, das Höhenprofil jeder Etappe weisst Roller und Hügel von mindestens sechzig Meter Höhe aus. Das summiert sich zusammen.

An der Time Station beim Bikeshop in Mount Airy trifft Nik sehr müde und ebenso frustiert ein. Die letzten Etappen führen allesamt über grosse Zubringerstrassen nach Annapolis. Grosses Verkehrsaufkommen zusammen mit der grossen Müdigkeit sind das Letzte, was er jetzt braucht. Eine kurze Pause von fünfzehn Minuten Dauer lindern den Frust, er nimmt die letzten rund 85 Kilometer in Angriff.

Rangmässig ist das Rennen bereits entschieden. Sieben Fahrer aus der Kategorie U50 sind vor ihm in Annapolis eingetroffen. Ein Fahrer aus seiner Kategorie der 50-59 Jährigen hat den Zielstrich bereits überquert. Im Gesamtklassement belegt der so den sehr guten neunten Rang, in der Alterskategorie sogar den ausgezeichneten zweiten Platz! Nach der endgültigen Zeitnahme kurz vor dem Finish in Annapolis kann er so die letzten Kilometer richtig geniessen. Plaudert und blödelt mit der Crew im Follow Car. Derweil wartet der Rest des Teams im Ziel auf seine Ankunft. Das Filmteam und der Fotograf stehen bereits, um die Zieleinfahrt zu dokumentieren. Mittlerweile hat Daniel bereits zehn Minuten den Zielraum gefilmt, ohne dass Nik eingetroffen wäre. Auch Fotos entstehen bereits unzählige. Das Licht wäre perfekt, fehlt nur noch der Fahrer.

Dann endlich ist es soweit. Zwei, drei Umdrehungen und eine sanfte Bremsung. Nik überquert die Ziellinie auf der Fussgängerpromenade direkt im Hafen von Annapolis. Es ist geschafft. 10 Tage und 4 Stunden. So lange war er durch die USA unterwegs.

Die unmittelbaren Feierlichkeiten im Zielgelände dauern bis um halb zwölf Uhr an. Der Schlafentzug macht sich aber sehr stark bemerkbar. Die Crew geniesst jetzt den verdienten Schlaf im Hotel in Annapolis. Nur der Medienverantwortliche ruht noch nicht: Der ist immer noch wach.

Diese Tatsache zeigt eine der Schwierigkeiten der Medien- und Öffentlichkeitsarbeit auf. Während des Tages lässt sich viel vorbereiten, Berichte und Photos bis zu einem gewissen Grad bereits schreiben, aufbereiten und anpassen. Die entgültige Fassung entsteht dann aber abends, nachdem der Rennfahrer im Bett verschwunden ist und auch die Crew schläft. Dies dauert dann im Minimum nochmals anderthalb Stunden, die ebenso dringend auch für den wichtigen Schlaf genutzt werden sollten. Das zweite grosse Problem ist die Internetverbindung, die auch in der Wüste problemlos genutzt werden sollte können. Und das ist manchmal gar nicht so einfach. Der Beitrag wäre inklusiv Bilder komplett vorbereitet, nur das Internet streikt. Sehr mühsam  und mit Aufwand verbunden. Glücklicherweise hat aber alles wie geplant geklappt.

Eine gute Berichterstattung ist aber ebenso wichtig, verfolgen doch viele Leute das Abenteuer im Internet. Tagtäglich verzeichnet unser Blog mehrere hundert Zugriffe. Das Online-Dossier der Berner Zeitung wird studiert. Das Gästebuch wird rege genutzt, um uns gute Worte und auch Fragen zulassen zu kommen. Viele Aufmunterungen und freudige Kommentare habe ich während der zehn Tage Nik und dem Team direkt zukommen lassen, was während der besonders wichtigen Stunden extrem wichtig für die Moral war. Offenbar interessiert es sehr viele Leute, wie Nik im Rennen liegt und wie er vorwärts kommt. Und genau das macht diese schwierige Arbeit so wertvoll. Für mich ist es eine grosse Freude, all diese Rückmeldungen lesen zu können. Dafür möchte ich mich im Namen des ganzen Teams sehr herzlich bedanken.

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13 Antworten zu Zieleinfahrt in Annapolis

  1. Andriu schreibt:

    Coooool!!!! Ganz herzlichen Glückwunsch dem ganzen Team! Und vielen Dank für den guten Blog – habe jeden Meter mitgelesen : )

  2. maendli schreibt:

    Lieber Super Raamer
    Endlich kann auch ich (können wir) den (die) Daumen loslassen, wunderbar und felisitassion!
    Bis gly! maendli auch im Namen seiner Bele

  3. silvie schreibt:

    GRATULIERE!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

  4. Barbara und Thomas Kestenholz schreibt:

    Lieber Nik und Team
    Herzliche Gratulation zu dieser aussergewöhnlichen Leistung. Vielen Dank für all die spannenden Kommentare und die tollen Bilder. Der wohlverdiente Schlaf soll euch stärken für die Feier in aller Ruhe. Geniesst die stressfreien Tage, auf dass ihr alle gesund, glücklich und zufrieden wieder in der Schweiz landet. Wir freuen uns jetzt schon auf den Film.
    Liebe Grüsse aus Rubigen
    Barbara und Thomas

  5. Jost Zeindler schreibt:

    Herzliche Gratulation
    tolle Leistung
    habe alles im Livestream mitverfolgt
    Was mit Alessandro Colo ist ,weiss ich jedoch noch nicht
    Gruss Jost und familie

  6. Jan schreibt:

    Supper!!! Gratuliere!
    Gruess Jan

  7. Selina schreibt:

    Super Nik, du hast`s geschafft! Mit viel Interesse habe ich dein Race verfolgt, schön, dass du endlich über die Ziellinie rollen durftest! Gratuliere herzlich!
    Grüsse aus Gsteigwiler,
    Selina

    Danke Kaspar für die tolle Berichterstattung!!

  8. beatrice glatz schreibt:

    Grossartig, Nik! Wir gratulieren und wünschen dir nun noch wohlverdiente, erholsame Tage in den USA!
    Liebe Grüsse auch ans Team
    Glatzeggers

  9. Barbara schreibt:

    Herzliche Gratulation an Nik Und das ganze Team. Das habt ihr super gemacht. Vielen dank das wir die interessanten Bilder und Worte mitverfolgen durften. da werden doch Träume geweckt!
    Geniesst euren wohlverdienten Schlaf und nehmt möglichst viele tolle Erinnerungen zurück in die Schweiz.
    Gruss Barbara u fam.

  10. Oskar Diesbergen schreibt:

    gratuliere Nik noch einmal und danke für die tolle Berichterstattung mit den schönen Bildern und allen die dieses ABenteuer möglich gemacht haben und andere Träumen lassen…
    Oskar

  11. Michal schreibt:

    Chapeau, ihr habt den Atlantik erreicht! Herzliche Gratulation!
    Eure spannenden Berichte und tollen Bilder haben das RAAM über den Teich gebracht. Danke für den tollen Blog!
    Wünsche euch gute Erholung und viel Gemütlichkeit in den verbleibenden Tagen.

  12. Pesche&Rita schreibt:

    HIP HIP HURRA!!!
    auch wir lassen einen Korken knallen.

  13. Susanne Baumgartner schreibt:

    Super, Nik!
    Ich gratuliere dir und deinem Team ganz herzlich zu dieser grossartigen Leistung!
    Ich habe stets mitgefiebert und konnte deine Zieldurchfahrt kaum erwarten!
    Wünsche euch allen gute Erholung und ein fröhliches Zusammenpacken.
    Liebe Grüsse
    Susanne

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