Mississipi überquert: Nur noch 1’300 Kilometer

Nik ist schnell unterwegs. Nach Erreichen der Distanzhalbzeit vor zwei Tagen konnte er heute mit dem Überqueren der Mississipi Bridge in Alton auch das zweite Drittel der rund 3000 Meilen vom Pazifik an den Atlantik abschliessen. 500 Meilen in knapp 41 Stunden – das darf sich durchaus sehen lassen! Immerhin entspricht es einem Schnitt von 19.6 Stundenkilometern inklusive aller Pausen.

Gestartet ist der Sportler morgens um 02.20 Uhr. So früh, weil wir am vorderen Abend bereits um 21.30 Uhr im Hotel in Jefferson City eingetroffen sind. Die zwei letzten Etappen in Missouri führten ihn über Washington zur Mississipi Bridge bei Alton, Illinois. Um 11 Uhr überquerte er dieses staatenverbindende Bauwerk über einen der grössten Flüsse der Vereinigten Staaten.

Mit dem Überqueren dieser grossen Brücke sind seine Chancen, das Ziel in Annapolis zu erreichen, markant gestiegen. Statistisch gesehen, haben es bisher die meisten der Teilnehmer, welche den Mississipi River überquerten, bis zum Zielstrich geschafft. Andererseits kann man auch sagen: 915 Meilen – das sind immer noch 1472 Kilometer. Anderthalb mal die Tortour. Dieser Meilenstein täuscht also ein bisschen. Deshalb ist es umso wichtiger, dass Fahrer und Team weiterhin völlig konzentriert bleiben.

Um 10.00 Uhr abends – und somit auch um 10.00 Uhr Race Time, weil wir uns jetzt in der letzten der vier Zeitzonen befinden, die durchfahren werden – trifft Nik beim Hotel in Effingham ein, wo er einige Stunden schlafen wird. Starten wird er morgens um 03.00 Uhr. Vier Stunden Schlaf und je eine halbe Stunde für Vor- und Nachbereitung müssen reichen. Zu fest zieht es ihn weiter Richtung Atlantik.

Daniel Jeseneg ist nach Timo Schaub der zweite Filmstudent, der Nik bei seinem Abenteuer RAAM 2011 begleitet. Er ist verantwortlich für Kamera, Ton und Autofahren – ausserdem bringt er mit seinem Humor das gesamte Team regelmässig zum Lachen.

 

 

Bild: Timo Schaub

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Getrieben vom Wind

Jetzt haben wir also die Hälfte des langen Weges an den Atlantik hinter uns. Im Route Book ist die Angabe der noch zu fahrenden Kilometer ist nun weniger hoch als die der bereits absolvierten. Nik fühlt sich nach wie vor gut, der Ehrgeiz ist unvermindert gross. Der Stand der momentanen Rangliste interessiert ihn sehr – mindestens zwei Mal pro Tag möchte er wissen, wo er steht und wie weit die nächsten Fahrer vor und hinter ihm entfernt sind.

Bild: Christine Rentsch

Heute Morgen um 03.40 Uhr startet er zu einem weiteren langen Race-Tag. Die Strassen sind nach dem Durchzug der Kaltfront noch ein bisschen nass. Das stellt soweit kein Problem dar. Das Wetter wird gemäss Voraussage des nationalen Wetterdienstes trocken bleiben, die Gefahr von Wetterkapriolen wie Tornados ist minim und der Wind stimmt weiterhin.

Das Gelände wird mit der Einfahrt nach Missouri wieder coupierter. Viele flache und kurze Hügel – in den USA werden diese „Rollers“ genannt – folgen aufeinander. Auf der einen Seite gleitet man hinab und auf der anderen muss man dann die Höhe wieder mit Arbeit gutmachen, weil der Schwung nicht reicht. Solche „Roller“ sind im Durchschnitt um die 20 bis 30 Meter hoch. Muss man aber 200 solcher kleiner Anstiege bewältigen, ergibt sich eine imposante Höhendifferenz. Mit dem Rückenwind zusammen ist diese Herausforderung aber ohne Probleme zu bewältigen. Nach einem langen Tag mit fünf Etappen und 467.3 Kilometern entscheidet sich Nik für die Übernachtung in Jefferson City.

Nik ist einer der wenigen Athleten, die mit einem deutlich höheren Schlafpensum pro Tag unterwegs ist. Viele andere Rennfahrer schlafen pro Tag ungefähr anderthalb bis zwei Stunden. Nik ruht doppelt so viel – vier Stunden täglich. Dafür muss er die verlorenen Stunden mit einem höheren Tempo auf der Strasse kompensieren, was aber ohne Probleme klappt. Meist holt er noch einen Vorsprung heraus. Gegen Ende des Rennens lässt diese Strategie dann sogar taktische Spielereien zu.

Bild: Timo Schaub

Ausserdem bringt die Strategie mit mehr Ruhe auch Vorteile bezüglich der Sicherheit. Der Kopf ist deutlich ausgeruhter, der Athlet dadurch viel konzentrierter unterwegs. Das Risiko eines Sekundenschlafs – beim RAAM wegen der Übermüdung ab einem gewissen Zeitpunkt einer der grössten Risikofaktoren – wird so effektiv vermindert.

Timo Schaub ist einer der drei Filmstudenten, die das Race Across America von Nik mit bewegten Bildern festhalten. Er studiert zusammen mit Timon Rupp und Daniel Jeseneg an der Hochschule Luzern im Studiengang „Video“. Die Aufgaben teilen sich dir drei gleichmässig untereinander auf. Timo ist zuständig für die Kamera, den Ton sowie das Autofahren.


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Wind und Wetter

Springfield – unser Zuhause für wenige Stunden. Leider war er nicht das aus der TV-Trickfilmserie „Die Simpsons“. Aber schön war es trotzdem.

Bild: Ursula Zeindler

Auf jeden Fall will der Athlet die heutigen Windverhältnisse perfekt nutzen. Morgens um halb drei Uhr macht er sich auf den Weg, immer im Lichtschein der Frontscheinwerfer des Follow Car. Der Weg führt Richtung Kansas, auf dem Weg zur ersten Time Station in Montezuma lässt man den Staat Colorado hinter sich.

Bild: Ursula Zeindler

Vor Montezuma kommen zum ersten Mal die Wetterverhältnisse der Great Plains zum Tragen. Auf die Meile genau platziert, kann Nik den Rückenwind einer herannnahenden, kleinen Kaltfront nutzen, um viel Zeit auf die vor ihm platzierten Rennfahrer gutzumachen. Mit gut 50 Stundenkilometern prescht er über die endlosen Ebenen und entscheidet sich an der ersten Time Station, die Pause auf ein Minimum zu reduzieren. Solch ein Rückenwind muss genutzt sein!

Alles in allem absolviert er an diesem sechsten Renntag über 535 Kilometer. Die Durchschnittsgeschwindigkeit liegt inklusive aller Pausen und der Halbzeitfeier mit Kaffee von Starbucks auf der zweitletzten Etappe bei über 29.7 Stundenkilometer. Ein einsamer Spitzentag also.

Wettertechnisch zeigen sich aber auch die wilden Seiten der Great Plains. Zwischen zwei Fronten, die sich ebenfalls gegen Osten bewegen, rast Nik mit starkem Rückenwind der Time Station in Maize entgegen. Eine Stunde bevor er dort eintrifft, zerstört ein kräftiges Gewitter nach Maize einige Dutzende Telefonmasten, welche mitten auf die Rennstrecke krachen. Niemand wird verletzt, die Strecke muss aber umfahren werden, was aber ohne Probleme klappt. Immer nah hinter der Front unterwegs, darf die ganze Crew auf der letzten Etappe nach El Dorado einem Gewitter der Extraklasse beiwohnen. Auch das Wetter ist in den USA grösser, schneller und extremer.

Nach eingehender Analyse der Wetterlage sowie aller Warnungen des nationalen Meteorologiedienstes zeigt sich, dass etwa 120 Kilometer nördlich unserer Route einige Tornados entstanden. In den nächsten drei Tagen bewegen wir uns im mittleren Westen, der aktivsten Tornadozone der gesamten USA. Im Moment sieht es aber gut aus, wir sollten ohne grössere Probleme durchkommen. Das Gefühl bei der Durchfahrt ist aber immer speziell, vor allem wenn man weiss, dass Tornados jeweils in der Nähe von Gewittern entstehen, deren Kraft wir heute eindrücklich erleben konnten.

Bild: Daniel Jeseneg

Thomas Sigrist, seines Zeichens ausgebildeter Physiotherapeut, unterstützt Nik bei seinem Unterfangen, die USA zu durchqueren. Auch bei ihm hoffen wir, dass er nie notfallmässig eingreifen muss. Sollte das aber von Nöten sein, weiss er, was zu tun ist. Zusammen mit Ueli Lüthi lotst er Nik im Follow Car zuverlässig von West nach Ost.

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Raus aus den Bergen, rein in die Fläche

Die Nacht im Hotel in Alamosa ist perfekt. Zwar können wir das Hotel nur rund acht Stunden geniessen. Aber für eine Dusche und ein angenehmes Bett lohnt es sich allemal. Nik startet bereits um vier Uhr wieder in die Nacht hinaus, das Team des Mobilhome sowie des Media Car folgt zwei Stunden später. Der Tag fängt gut an – mit blauem Himmel, hoher und lockerer Bewölkung und einer eindrücklichen Stimmung: Die Sonne geht über den Rocky Mountains auf, wir fahren genau in sie hinein.

Das Tagesgeschäft sieht auf dem Profil aber nicht ganz so angenehm aus: Zwei harte Etappen mit Anstiegen über die Pässe La Veta und Cuchara am Vormittag, am Nachmittag ziemlich flach, aber aufgrund der Müdigkeit nicht weniger fordernd. Nik ist gut gestartet, kann die beiden Pässe in einem angenehmen Tempo fahren. Aber auch so gehen die vielen Höhenmeter in die Beine. Die Haltung auf dem Rad ist aber auch nach fünf Tagen noch sehr gut. Zum Glück weht ein mässiger Wind, so dass die Temperaturen im vertretbaren Bereich sind. Das Tal, welches nach dem Cuchara Pass aus den Bergen hinausführt, ist lang und coupiert. Es fordert nochmals viel vom Fahrer.

Nach dem Mittagessen und einem halbstündigen Erholungsschlaf nimmt der Sportler die flachen Kilometer in Angriff, welche ihn aus den Bergen hinaus auf die Great Plains führen werden. Der Wind ist uns wohlgesinnt. Er kommt in mässigem Tempo von hinten und bringt Nik mit einem Tempo von 30 bis 35 Stundenkilometern über das hohe Plateau, bevor die Strecke langsam aber sicher zu den Great Plains abfällt. Gut drauf, lachend und freche Sprüche verteilend, erreicht er die Time Station in Kim.

Für die Filmer ist Kim in Colorado die Lösung für ihre perspektivischen Probleme. Aufgrund von einem Unfall mit einem Media Car im letzten Jahr waren Aufnahmen Seite an Seite neben dem Rennfahrer von Blythe bis Kim verboten. Nun erweitert sich das Spiel mit den Blickwinkel dramatisch, die Freude entsprechend gross.

 Immer mehr technische Anlagen in, an und auf den Fahrzeugen verlangen von den teilnehmenden Crews am Race fundierte Kenntnisse im technischen Bereich. Eine Fachperson ist sehr wichtig. Ueli Lüthi, seines Zeichens Tüftler und Hochseesegler mit fundierter Funkerfahrung rüstet das gesamte Team mit den nötigen Installationen aus. Musikanlage auf dem Follow Car, Blinklichter auf den Support Vehicles, Ladestationen für die Filmcrew in ihrem Fahrzeug – die Liste liesse sich beliebig erweitern. Thomas Sigrist ist sein Partner im einen der beiden Teams im Follow Car. Ueli Lüthi – eine weitere Schlüsselperson auf dem Weg zum Ziel am Atlantik.

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Die Rocky Mountains stehen an

Photo: Ursula Zeindler

Als wir am Abend in Montezuma Creek eintrafen, war die Time Station leer. Frühmorgens um vier Uhr sieht das ganz anders aus. Vier Fahrer haben hier zusammen mit ihren Teams das Lager aufgeschlagen. Offenbar waren auch sie davon überrascht, dass es zwischen Bluff und Cortez keine Übernachtungsmöglichkeit gibt. Auch darf man dort ausser an den Time Stations nirgends campieren. Die Strecke führt ja bekanntlich durch ein Indianerreservat und deren Bewohnern möchte man ihre Ruhe lassen. Unsere Fahrzeuge sind auf jeden Fall voll besetzt. Timon macht es sich auf dem Dach des Media Car gemütlich. Im Follow Car schläft jemand. Christine und Ueli legen ihre Matten neben dem Mobil Home aus.

Die Landschaft ändert auch hier innert Stunden, so zügig sind wir unterwegs. Eben noch im rostroten Monument Valley, geht die Landschaft bis Durango in satte Grüntöne über Auch sieht man in dieser Gegend vermehrt Camper. Touristisch hat dieser Landstrich sehr viel zu bieten. Und wir bedauern manchmal, dass wir an dieser wunderbaren Umgebung nur vorbeibrausen. Dem Schreiberling macht dieser US-Roadtrip auf jeden Fall Appetit auf mehr.

Nach Durango steigen wir richtig in die Rocky Mountains ein. Nach einem langen Aufstieg erreicht er schliesslich auf dem Wolfs Creek Pass, 3140 Meter hoch, das Dach des RAAM 2011. Nach einem technischen Problem und einem Wechsel des gesamten Rennrades kurz nach dem Einstieg in die Abfahrt schafft er den Abstieg ohne Probleme und macht sich nach einer kurzen Pause von zehn Minuten Dauer an der Time Station in South Fork Richtung Hotel in Alamosa auf.

Photo: Timon Rupp

In den letzten Tagen war vor allem die körperliche und geistige Verfassung von Nik Thema. Bei so einem grossen Rennen interessieren aber eben auch die Zahlen. Nicht weiter verwunderlich: Heute Abend in South Fork, Colorado – Time Station 17 –hat Nik exakt 1’544.16 Kilometer absolviert. Bis zu dieser Zeitnahme ist er seit 3 Tagen, 6 Stunden und 12 Minuten unterwegs.. Durchschnittlich legte er bis jetzt pro Tag 386.04 Kilometer zurück, was einem Stundenschnitt von 16.09 Kilometern entspricht. Darin sind alle Pausen eingerechnet. Jetzt hat er rund einen Drittel der Gesamtdistanz bis zum Atlantik absolviert. Und ist nach wie vor exakt im Zeitplan.

Photo: Timon Rupp

Bei der Gluthitze von Südkalifornien sind diese Durchschnittszahlen nicht zu verachten. Teilweise herrschten Temperaturen von 38 Grad Celsius im Schatten. Zusammen mit dem verminderten Fahrtwind in den langen Aufstiegen ergibt das eine unglaubliche Hitze. Viel Flüssigkeitsaufnahme ist hier das A und O. Ansonsten kann es sein, dass man bereits hier, in den ersten zwei Tagen, das Race Across America aufgeben muss. Glücklicherweise sanken die Temperaturen in die Rocky Mountains markant, was die langen Etappen auf dem Rad um einiges angenehmer macht.

Christine Rentsch, Physiotherapeutin, bildet zusammen mit Christian eines der beiden Teams im Follow Car. Bis jetzt wurde sie rein fachlich nicht besonders beansprucht, was höchst erfreulich ist. Sollten aber einmal körperliche Probleme auftauchen, wird sie zusammen mit Thomas Sigrist zur Stelle sein. Auch er ist von Beruf Physiotherapeut. Die beiden haben auch das medizinische Know-how, was bei einem Race, das körperlich und mental an die äussersten Grenzen des Machbaren führt, unbedingt vorhanden sein sollte.

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Schlafpause und Rückenwind

Frühmorgens in Flagstaff. Schon wieder wird der Motor des Follow Car gestartet. Nik, Christine und Christian nehmen den Tag 3 des Race in Angriff. Um zwei Uhr morgens ist Nik beim Motel in Flagstaff eingetroffen. Nach einer erfrischenden Dusche und vier Stunden Schlaf steigt er bereits wieder auf das Rad. Die Stimmung ist gut, die Moral nach dem gestrigen zermürbenden Tag doch wieder sehr in Ordnung. Nik ist sogar selbst aufgestanden und weckte die übrigen Teammitglieder, welche im selben Zimmer genächtigt hatten. Der Bewegungsdrang ist wieder da.

Nach Flagstaff wechselt die Landschaft innert weniger Meilen schlagartig. Wo eben noch Wälder das Bild prägten und Piktogramme vor die Strasse querenden Hirschen warnten, zeugen nun weite und flache Ebenen von den nahenden Indianerreservaten der Navajo und Hopi.

Glücklicherweise weht der Wind aus der richtigen Richtung. Die Etappen von Kayenta nach Mexican Hat und von dort weiter nach Montezuma Creek bringt Nik mit guten Beinen und Rückenwind in sehr kurzer Zeit hinter sich. Mit dem Erreichen des Monument Valley erreichen wir das erste grosse Ziel. Im Jahr 2008 war Nik schon mal hier und kurz darauf entschied er sich für die Teilnahme am RAAM. Die speziellen Felsformationen vor Augen und die Musik von Alison Krauss in den Ohren beflügeln ihn sehr.

Um 21.45 Uhr Ortszeit trifft Nik in Begleitung von Ueli und Sigi bei der Time Station in Montezuma Creek. Da bis Congress leider keine Unterkunft verfügbar ist und die Strecke durch ein Indianerreservat führt, entscheiden wir uns, hier zu nächtigen. Zurzeit geniesst der Athlet einige verdiente Stunden Schlaf. Bevor er morgens um halb fünf Uhr wieder in die dunkle Nacht starten wird.

Christian Winkler ist unser Velomechaniker im Team. Ausgebildet als Automechaniker und seit zehn Jahren als Velofachmann tätig, kann er all sein Wissen einbringen. Ebenso ist er ehemaliger Mountainbike-Elitefahrer und besitzt daher auch trainings- und ernährungstechnisch einiges Wissen. Zusammen mit Christine Rentsch bildet er eines der Teams im Follow Car und übernimmt einen der verantwortungsvollen Posten direkt hinter dem Fahrer.

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Wüste, Wind und Steigung

Wie geplant fährt Nik die erste Nacht durch. Morgens um halb fünf trifft er aber doch ein bisschen müde bei der Time Station 4 in Palmer ein. Schon ein bisschen ernüchtert. Zeitweise sei ihm schon das Essen schwer gefallen, äussert er sich schwermütig. Nach einer halben Stunde Schlaf und einer Portion Haferbrei zum Morgenessen macht er sich aber um halb sieben wieder auf, um die nächste Etappe in Angriff zu nehmen.

Bis jetzt fiel Nik bei den meisten der Qualifikationsrennen für das RAAM – sei dies Radmarathon oder Tortour – nach ungefähr 18 Stunden in ein Loch. Das überwand er aber immer ohne Probleme und konnte danach in einer regelmässigen Art und Weise weiterfahren. Von daher rechnen wir auch hier in den USA mit dem gleichen Verlauf.

Salome, ein Wüstenkaff an der US 60 East, der dortige Supermarkt und die angrenzende Tankstelle sind die Time Station Nr. 5. Für den Fahrer ist die Strecke immer leicht ansteigend, für die Crew in den Fahrzeugen flach. Für beide bereits morgens um neun Uhr Local Time sehr heiss und windig. Nik kürzt den Halt an der Time Station ab und hinterlässt dem Team ein Becken voller Eiswasser für ein Fussbad. Freude herrscht.

Danach geht es aber für den Kopf nochmals richtig zur Sache. Die Strecken zwischen Salome und Prescott sind sehr anspruchsvoll und verlangen dem Fahrer viel ab. Er freut sich nur noch auf die schöne Dusche und das Bett in Flagstaff. Bis zum Motel fährt er sicher, wenn auch vielleicht ein bisschen langsamer. Momentan befindet er sich zusammen mit Ueli und Sigi zwischen Cottonwood und Flagstaff. Eintreffen wird der beim Motel etwa um 04.00 Uhr Race Time und 01.00 Uhr Local Time.

Währenddessen hat sich der Rest der Crew im Motel in Flagstaff eingerichtet. Direkt an der Route 66 gelegen, ist die Unterkunft für die nächsten paar Stunden nur kurz von der Strecke entfernt. Duschen und Schlafen, das sind die Ziele. Und somit den Tagesablauf normalisieren, den man für den Rest des Race anstrebt.

Corinne ist die zweite Frau im Mobilhome: Ohne sie würde das Abenteuer RAAM ungeheuer schwierig. Ihre Talente Sprache, Organisation und Ernährung kann sie in verschiedensten Bereichen einsetzten. Reiseorganisation, Reservationen von Unterkünften, Kommunikation mit der Rennleitung – ihr gutes Englisch ist hier von grossem Vorteil. Mit ihrem Hintergrund der Ernährungsberatung ist sie auch für die Energiezufuhr von Nik verantwortlich. Ohne richtige und auf Dauer verträgliche Nahrung läuft am Race nichts.

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